Desiree Wickler’s „Gastmahl“ lädt zur Betrachtung ein

13.03.2013, Schaufenster

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Das „Gastmahl“ zeigt einen Mann, der im Wohnzimmer auf dem Tisch liegt – dies ist allerdings nur eines der vielen Elemente, die von den Gästen der Ausstellungseröffnung mit größtem Interesse diskutiert worden sind. Die Künstlerin selber ließ die Frage nach dem Sinn jener Elemente eher offen. Nur soviel sagte sie dazu: die Szene basiere auf einer Textpassage von Marguerite Duras‘ Roman „La maladie de la mort“, oder auf Deutsch „Die Krankheit Tod“. Sie handelt von dem Tod eines geliebten Menschen. Die Frage nach Fiktion oder Realität geht mit dieser Bedeutung einher: kann man einen Menschen so sehr besitzen wollen, dass man ihn tötet? Das Bild ähnelt einer Traumsequenz. Schläft der Mann oder ist er tot? Und ist das Gastmahl im Grunde eher ein Leichenschmaus?

Auch die Farbgebung des Bildes ist zu bemerken. Es arbeitet viel mit der Farbe Gold, einem wertvollen Rohstoff einerseits, so die Künstlerin, aber gleichzeitig könne man ihn auch so „unwertvoll“ darstellen, dass er wie eine eingerissene Tapete daherkomme. Die Farbe verliert in dem Kunstwerk das ihr sonst eigene schöne und glänzende; sie unterstreicht die Parallele zwischen Fiktion und Realität, die das „Gastmahl“ verkörpert. Die Arbeit mit Acryl und Tusche übertönt jedoch nicht das Skizzenhafte des Bildes, welches Désirée Wickler besonders am Herzen liegt.

Die „Einladung zum Tee“ ist in gewisser Weise aus dem „Gastmahl“ hervorgegangen. Was kann alles bei einer solchen Teegesellschaft geschehen? Auf diese Frage antworten die Bilder, zumindest teilweise, und erzählen zusammen mit ihren Kommentaren eine nicht minder traumhafte Geschichte. Nicht alles war von vornherein geplant, mal sei zuerst der Spruch entstanden, und mal das Bild, so die Künstlerin. Raum für Interpretation ist jedenfalls noch zu Genüge vorhanden.

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