Nutznießer und Naturkatastrophen

1. Dezember 2016, Luxemburger Wort

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Der latente Schrecken, der in Adams Werken eher subtil aufscheint, weitet sich in Désirée Wicklers Ausstellungsteil zu einem veritablen Horror: Auf großformatigen Papierbahnen entblättert sich in monochromen Schattierungen von schwarzer Farbe das bedrohliche Dickicht eines nächtlichen Waldes. Im fahlen Licht des Mondes bevölkern Eulen, Wölfe und Luchse die Szenerie, in der beunruhigende Bilder abgespult werden: Hier schreitet ein Jäger mit einer unverhältnismäßig martialischen Waffe durch das Unterholz,dort spreizt eine Frau ihre Beine einem herannahenden Wolf, an anderer Stelle stößt der Besucher auf die Umrisszeichnung eines Körpers, wie sie bei Tatortermittlungen von Leichen angefertigt werden. Die Hängung der Arbeiten und das Rascheln des Papiers beim Vorbeigehen machen den Besucher zu einem Eindringling in einen Raum, der seine eigenen Gesetze hat – ein dreidimensionales Raum-Erlebnis, dessen Dramaturgie die Urangst des zivilisierten Stadtmenschen vor den dunklen Geheimnissen eines Waldes weckt.

Von Kathrin Schug